Zur Situation
Die IEA-Studie 1973, die TIMS-Studie 1997 und die PISA-Studie 2001/2
führten zu sehr ähnlichen Ergebnissen: seit vielen Jahren ist der
Unterricht in den Naturwissenschaften verbesserungsbedürftig und trotz
dokumentierter Mängel gab es so gut wie keinen Fortschritt.
Dokumentierte Mängel:
- zu viel additives Auswendiglernen von Fakten und Rezepten
- zu wenig Verstehen von Zusammenhängen naturwissenschaftlicher
Vorgänge in unserer Welt (kumulatives Lernen) und deren Alltagsbezug
und Nutzen naturwissenschaftlicher Vorgänge für die eigene
Orientierung. Stark verbesserungsbedürftig sind die Motivationslage
und die Lernbedingungen für verstehendes Lernen; dazu muß u.a. der
Unterricht kumulativ aufgebaut werden (zusammenhängendes
Weltbild).
Schlecht motivierende Unterrichtssituationen (ganz besonders im Fach
Physik), zusätzlich verbunden mit der Schwierigkeit der Fächer für die
Schüler, führt gerade in der Mittelstufe (Klassen 8 - 10), in der
sich die Schüler obendrein auch in der Pubertät befinden, viel zu
häufig zu einer Abwehrhaltung gefolgt von einer so schnell wie
möglichen Abwahl des Faches. Speziell im Physikunterricht der
Mittelstufe sind didaktische Konzepte und deren qualitätvolle
Umsetzung durch den Lehrer für das weitere Interesse der Menschen an
naturwissenschaftlichen Vorgängen von entscheidender Bedeutung.
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Kriterien für einen naturwissenschaftlichen Unterricht
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- Wissenschaft nicht künstlich im Labor erzeugen, sondern
in der Natur suchen ihre Bedeutung für alle Menschen
erkennen lassen und Interesse (bei allen Schülern) wecken, sich
damit zu beschäftigen; Beobachten und Fragenstellen lernen;
- das Gebäude unserer Welt systematisch und ganzheitlich
aufbauen als Grundlage für ein umfassendes Weltbild, in dem
sich die Schüler später selbständig und kompetent bewegen
können; alles Wesentliche aus Lebenswirklichkeit/Alltag
behandeln;
- Wissenschaft als spannenden (unfertigen!) Prozeß begreifen lassen und die Schüler an diesem Prozeß
teilhaben lassen; dabei allgemein Erkenntnisprozesse (u.U. auch Irrwege) aufdecken;
- Modellhaftes Denken, mit dem Ziel des geistigen Erfassens der
Natur, das sowohl in der Wissenschaft als auch im Alltag aller
Menschen eine zentrale Bedeutung besitzt,
altersstufenspezifisch (ggf. spielerisch) fördern;
- Vor allem in den unteren Altersstufen die Fähigkeit zum Staunen
ausnutzen (ohne zu überfordern) und
handlungsorientiertes
Lernen anstreben;
- Den herausragenden Wert der irdischen Lebensbedingungen (und
deren mögliche Veränderungen) deutlich werden lassen;
- Die vielfältigen Möglichkeiten zu weiterer fächerverbindender
Behandlung nutzen (den Aspekt-Charakter der
Fächer/Fachwissenschaften herausstellen);
- Die nützlichen Anwendungen der naturwissenschaftlichen
Erkenntnisse herausarbeiten (aber auch Gefahren menschlichen
Handelns nicht verschweigen).
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